Der Weg ist matschig, die Luft riecht nach nassem Laub und Harz, und irgendwo hinter den Kiefern ruft ein Specht. Ich stehe am Rand des Spandauer Forst, an einem Dienstagmorgen im März, und mir fällt wieder ein, warum ich hier fast jedes Wochenende lande: Es ist der einzige Ort in Berlin, an dem ich in zwanzig Minuten Fußweg von der Haustür das Gefühl habe, die Stadt wäre nicht existent.
Kein Witz. Ich wohne in Spandau, relativ nah an Hakenfelde, und trotzdem brauche ich länger zum nächsten Supermarkt als bis zum Waldrand. Das ist eine dieser Kuriositäten, die man erst merkt, wenn man hier lebt. Und genau deshalb wird dieser Forst von Einheimischen oft unterschätzt – während Auswärtige ihn gar nicht kennen.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Spandauer Forst umfasst rund 1.340 Hektar und gehört damit zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten Berlins.
- Drei Natura-2000-Schutzgebiete liegen direkt auf dem Areal – Moore, Bruchwälder, artenreiche Feuchtwiesen.
- Das Wildgehege kostet keinen Eintritt und ist vor allem mit Kindern ein lohnendes Ziel.
- Es gibt keinen zentralen „Haupteingang" – Sie starten am besten an einem der Parkplätze an der Cautiusstraße oder an der Bürgerablage.
- Nach starkem Regen sind die Moorwege rund um Teufelsbruch und Rohrpfuhl matschig bis unpassierbar – festes Schuhwerk ist keine schlechte Idee.
Spandauer Forst: was Sie hier wirklich erwartet
Die Zahlen sind erst mal unspektakulär: gut 1.340 Hektar, im Nordwesten Berlins, angrenzend an Falkensee und Schönwalde-Glien. Aber diese Zahl bedeutet in der Praxis, dass Sie hier stundenlang laufen können, ohne eine Straße zu überqueren. Oder, wenn Sie so veranlagt sind wie ich: ohne einen einzigen anderen Menschen zu sehen – außer an schönen Sonntagen, dann leider nicht.
Lage und Anfahrt
Der Forst liegt im Ortsteil Hakenfelde, im Norden des Bezirks Spandau. Wer mit dem Auto anreist, findet Parkplätze unter anderem an der Cautiusstraße, an der Bürgerablage sowie an mehreren Waldzufahrten entlang der Straße nach Schönwalde. Mit dem Bus geht es bis zur Haltestelle Cautiusstraße – von dort sind es wenige Minuten zu Fuß in den Wald.
Ein Tipp, den ich teuer bezahlt habe: An sonnigen Feiertagen sind die Parkplätze an der Bürgerablage früh voll. Ich habe einmal gut vierzig Minuten im Kreisverkehr gestanden, weil ich dachte, ich wäre der Einzige mit der Idee, im Wald zu spazieren. War ich nicht.
Warum dieser Wald kein normaler Wald ist
Auf dem Gebiet liegen gleich drei nach europäischem Naturschutzrecht geschützte Flächen – zwei FFH-Gebiete und ein Vogelschutzgebiet. Praktisch heißt das: In bestimmten Bereichen ist das Verlassen der Wege nicht nur unhöflich, sondern schlicht verboten. Die Moore Teufelsbruch und die Rohrpfuhle sind keine Deko, sondern Lebensraum für Arten, die es in Berlin sonst kaum noch gibt.
Ich habe dort einmal einen Graureiher beobachtet, der minutenlang regungslos im Flachwasser stand. Danach war ich tatsächlich kurz sauer auf die Hundehalter, die zwanzig Meter weiter ihren Labrador durchs Unterholz scheuchen ließen. Leinenpflicht ist kein Vorschlag, Leute.
Spandauer Forst Karte: welche Wege lohnen sich?
Eine offizielle Wanderkarte des Forstes hängt an mehreren Zugängen aus – aber sie ist grob. Wer wirklich planen will, sollte sich vorab eine digital-Karte oder einen gedruckten Stadtplanausschnitt besorgen. Ich nutze seit Jahren eine einfache Wander-App und habe mir zusätzlich die Wegenummern der Hauptschneisen notiert. Hat sich bewährt.
Drei Runden, die ich selbst mehrfach gelaufen bin
Die folgenden Strecken sind keine amtlichen Wanderrouten, sondern das, was ich mir im Lauf der Jahre zusammengestellt habe. Längen sind grob gerundet:
| Startpunkt | Route (Kurzfassung) | Länge ca. | Zeit ca. |
|---|---|---|---|
| Hakenfelde / Cautiusstraße | Hoheheide-Teich – Moorteich – zurück | 6–7 km | 1,5–2 Std. |
| Bürgerablage | Uferweg – Rohrpfuhl – Waldrand Schönwalde | 8 km | 2–2,5 Std. |
| Cautiusstraße | Wildgehege – Teufelsbruch – große Runde | 10–11 km | 2,5–3 Std. |
Die erste Runde ist die familienfreundlichste – flach, gut ausgebaut, mit Spielplatz am Goldfischteich. Die zweite ist meine Lieblingsstrecke im Frühsommer, weil die Feuchtwiesen dann voller Gräser und Schmetterlinge sind. Und die dritte? Die hat es in sich: Der Weg durchs Teufelsbruch ist an mehreren Stellen als Bohlensteg angelegt, aber nach tagelangem Regen steht das Wasser trotzdem knöcheltief. Ich spreche aus Erfahrung.
Spandauer Forst gesperrt – wann ist das tatsächlich der Fall?
Immer wieder fragen Leute, ob der Wald gerade gesperrt sei. Ganz ehrlich: Ein kompletter Forst wird praktisch nie gesperrt. Was passiert, sind punktuelle Sperrungen – einzelne Wegeabschnitte, zum Beispiel bei Forstarbeiten, nach Stürmen mit umgestürzten Bäumen oder während der Brutzeit in sensiblen Bereichen. Solche Sperrungen sind vor Ort ausgeschildert.
Mein Rat: Wenn Sie eine geplante Route im Kopf haben und unsicher sind, rufen Sie kurz beim bezirklichen Grünflächenamt an oder schauen Sie auf die Seite des Bezirks Spandau. Ein Blick auf die Karte der Schutzgebiete spart außerdem Enttäuschungen, weil dort die ganzjährig zu meidenden Zonen eingezeichnet sind.
Spandauer Forst Tiere: was Sie wirklich zu sehen bekommen
Rehe. Immer wieder Rehe. Ich habe in den letzten zwei Jahren mehr Rehe gesehen als in meinen ganzen zwanzig Jahren davor – was vermutlich daran liegt, dass ich inzwischen früh morgens gehe und nicht mehr mittags. Die Tiere sind an Menschen gewöhnt, aber nicht zutraulich, und das ist auch gut so.
Wildgehege Spandauer Forst: Eintritt? Null.
Das Wildgehege im Forst ist frei zugänglich – kein Ticket, keine Schranke. Zu sehen gibt es Rotwild, Damwild und in Teilbereichen auch Schwarzwild, meist in großzügigen Gehegen. Für Kinder ist das der Jackpot, für Erwachsene ein netter Zwischenstopp auf dem Weg durch den Wald. Wer mehr über die Tiere und den Wald erfahren möchte, findet an der Waldschule Spandau ein zusätzliches Angebot – die Schule ist seit über dreißig Jahren aktiv und organisiert Führungen und Umweltbildungsprogramme, vor allem für Schulklassen.
Vögel, Amphibien, und was man sonst noch hört
Der Forst ist ein bekannter Punkt für Ornithologen. Spechte, Waldkauz, Milane, im Frühjahr unzählige Singvögel – wer ein Fernglas hat, sollte es einpacken. Ich selbst habe mich nie als Vogelbeobachter verstanden, aber die Ruhe hier ist so, dass man plötzlich anfängt, auf Geräusche zu achten. Das ist mir in der Stadt noch nie passiert.
Spandauer Forst Restaurant: wo Sie danach einkehren
Direkt im Wald gibt es kein Restaurant. Ausflugslokale finden Sie aber in unmittelbarer Nähe – vor allem an der Bürgerablage und entlang der Havel, sowie ein paar hundert Meter weiter in Hakenfelde. Gerade im Sommer sind Terrassen mit Blick aufs Wasser beliebt, und an sonnigen Wochenenden sollten Sie reservieren, wenn Sie nicht um 14 Uhr noch hungrig durch die Gegend laufen wollen.
Ehrlich gesagt: Mein liebster „Einkehr"-Moment ist gar kein Restaurant. Es ist die Bank am Goldfischteich, mit einer Thermoskanne Kaffee und einem belegten Brot. Der Ausblick ist nicht spektakulär, aber er ist ruhig – und manchmal ist das mehr wert.
Joggerin im Spandauer Forst: lohnt sich das?
Ja, aber mit Einschränkung. Die Hauptschneisen sind gut zu laufen, teils sogar geschottert. Die Nebenwege und besonders die Moorbereiche taugen nicht zum Joggen – zu wurzelig, zu matschig, zu eng. Wenn Sie ambitioniert trainieren, werden Sie auf den breiten Wegen außerdem auf Radfahrer treffen. Ich bin selbst ein paarmal mit dem Rad durchgefahren und habe mich dabei mehr als einmal gefragt, ob das jetzt wirklich eine gute Idee war.
Mein Kompromiss: Joggen auf den breiten Runden, Spazierengehen auf den kleinen. Klingt banal, funktioniert aber.
Was ich erst spät gelernt habe
Meine erste Begegnung mit dem Forst war enttäuschend. Ich bin an einem Sonntag im Oktober losgelaufen, mit falschen Schuhen und einer falschen Erwartung – ich wollte „Natur pur", fand aber einen Parkplatz, einen vollen Hauptweg und eine Hundebegegnung nach der anderen. Ich bin damals tatsächlich nach einer halben Stunde umgedreht.
Der Fehler lag nicht am Wald. Der Fehler lag an mir. Erst als ich anfing, früh morgens zu gehen, andere Startpunkte auszuprobieren und mich mit der Karte zu beschäftigen, habe ich begriffen, was dieser Ort kann. Er ist riesig, aber man muss ihn sich erarbeiten. Klingt pathetisch, ist aber so.
Wer den Spandauer Forst als Kulisse für ein schnelles Sonntagsfoto sucht, wird enttäuscht. Wer bereit ist, eine Stunde in eine unbekannte Schneise zu laufen und dabei auch mal falsch abzubiegen, kommt mit etwas nach Hause, das in Berlin selten geworden ist: dem Gefühl, wirklich draußen gewesen zu sein.
Und wenn Sie das nächste Mal am Teufelsbruch stehen und der Boden unter Ihnen schmatzt – denken Sie an mich. Ich war der Typ, der dort im November mit Turnschuhen stand.